Plakat-Asyl4

Kirchenasyl ist heute die vorübergehende Aufnahme von geflüchteten Menschen

als „Ultima Ratio“, die letzte mögliche Lösung oder das letzte mögliche Mittel – jenseits der Möglichkeiten. Asyl am heiligen Ort ist ein Schutz für Menschen, denen Gefahr an Leib und Leben im Falle einer Abschiebung.

Kirchenasyl sucht erneut das Gespräch mit den Behörden und eine Lösung im Einzelfall. In regelmäßigen Treffen trifft sich das Forum Asyl mit Sankt Christophorus um konkrete Unterstützungsmaßnahmen für unsere Gäste zu besprechen: Wir verbringen gemeinsame Zeit, entwickeln Lebensperspektiven, sprechen Mut und Hoffnung in hoffnungslosen Phasen zu. Gleichzeitig halten wir die Spannung aus, dass wir keine Versprechen machen dürfen, dass Kirchenasyl keine Erfolgsaussicht garantiert. Das ist die besondere Sensibilität, die auch persönliche Kraft braucht und Grenzen ziehen beinhaltet.

Zur praktischen Arbeit im Forum:
Wir bemühen uns um Gestaltung des Alltags, um Lebensfreude. Wir kochen zusammen, geben Deutschunterricht, begleiten zur Sprachschule,  zum Arzt oder zu einem Spaziergang. Wir unterstützen bei der Suche nach anwaltlicher Hilfe und therapeutischer Begleitung. Das Engagement des Forums ist vernetzt im Ökumenischen Verein Asyl in der Kirche e.V.; die Caritas und das Erzbistum Berlin, konkret mit dem Netzwerkkoordinator der Flüchtlingshilfe und dem Katholischen Büro. In der konkreten Arbeit ergeben sich viele Kooperationen und vielfältige Unterstützungen für geflüchtete Menschen in ihren je unterschiedlichen Lebenslagen und Bedürfnissen. Immer wieder erleben wir unkomplizierte Hilfsangebote vor Ort. Gute Kontakte bestehen auch zum Heimathafen Neukölln, zu kirchlichen Orten in Nord-Neukölln, u.a.  einer Schule in Katholischer Trägerschaft, die sich solidarisch ebenfalls als Schutzraum bereit erklärt. Sie hat dadurch schon Geflüchteten geholfen hat, einen Schulabschluss zu machen.

Wir bieten Rückhalt und Austausch in einer engagierten Gruppe
und die Möglichkeit, sich mit seinen individuellen Begabungen und Möglichkeiten ein zubringen. Im gemeindlichen geschützten Umfeld finden unsere Gäste „Support“, also Unterstützung, eigene Kompetenzen einzusetzen. Viele wollen sich mit Arbeit einbringen und neuen Lebensmut ausdrücken.

Aktuell versuchen wir
eine Kooperation mit der Malteser-Unterkunft im ehemaligen C&A Haus in der Karl-Marx-Straße. Dort lebende Geflüchtete könnten in den Projekten von Pallotti-Mobil e.V. mitarbeiten.

Wir freuen uns über engagierte, geduldige Mithelfer*innen,
die offen und herzlich sind. Schön ist es dabei, wenn jemand  gerne Inhalte vermittelt und Freude daran hat, Brücken bauen . Nehmen Sie / Nehmt Kontakt auf! Lissy Eichert, Nieves Kuhlmann, Peter Becker (Vorstand Forum Asyl)

„Am Ende wird alles gut. Wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende!“

Dieser Text auf einer Spruchkarte sagt viel über die Beharrlichkeit aus, die es braucht, den einzelnen Fall und das einzelne Schicksal nicht aufzugeben.  Unsere eigentliche Hoffnung aber drückt der Apostel Paulus in einem Brief an die Römer aus:

„Seid fröhlich in der Hoffnung, beharrlich in der Bedrängnis, geduldig im Gebet!“ (Röm 12,12)

 

„Menschen, die Wohl wollen“

Am 11. Oktober trafen sich Mitglieder und Gäste des ReuterForum bei einem Informationsabend zum Thema „Geflüchtete im Reuterkiez“ im Gemeindesaal von St. Christophorus. Dabei stellten Mitglieder des „Forum Asyl mit St. Christophorus“ ihre Aktivitäten vor.

Das unabhängige Bürgerforum ReuterForum besteht seit April 2016, hervorgegangen aus dem Quartiersrat. Hier treffen sich Anwohner und Akteure des Kiez rund um den Reuterplatz. Ziel ist Information, Vernetzung und Abbildung der Vielfalt im Kiez, sowie die Vertretung der Bürger gegenüber Politik und Verwaltung. Es gibt einen Blog, Newsletter, gemeinsame Aktionen und regelmäßige Veranstaltungen.

Engagement und Angebote der Kirchengemeinde St. Christophorus stellte ein zu Beginn gezeigter Kurzfilm vor. „Kirchenasyl ist kein Verstecken der Betroffenen, sondern ein „Neu Verhandeln“. Rechtliche, humanitäre und soziale Fragen würden neu geprüft, sagte Peter Becker vom Vorstand Forum Asyl im Film. Nach der Vorführung ging es zunächst um Fakten, hier zusammengefasst:

Eine Kirche oder Glaubensgemeinschaft kann in ihren Gebäuden – nicht zwingend im Kirchenraum selbst – einem Asylsuchenden Schutz bieten. Ziel ist die Abschiebung oder die Rückschiebung des Geflüchteten innerhalb Europas zu verhindern, wenn Gefahr an Leib und Leben besteht. Nach der Dublin III Verordnung aus dem Jahr 2013 verlängert sich die Frist, ehe der Asylsuchende in Deutschland einen Asylantrag stellen kann, um 18 Monate.

Vor der Aufnahme in ein Kirchenasyl wird juristisch geprüft, ob es eine Perspektive für die Verhandlungen gibt. Dann beschließen die Gremien die Aufnahme. Da ein Asylsuchender als untergetaucht gilt, wenn er nicht gemeldet ist, werden das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie das Katholische Büro informiert.

In St. Christophorus besteht in Sachen Aufnahme eine besondere Situation: Die Gremien der Gemeinde haben sich vor vielen Jahren grundsätzlich für das Kirchenasyl entschieden und konkrete Aufnahmen an das Forum delegiert. Die Gemeinde ist Mitglied im Ökumenischen Verein Asyl in der Kirche. Eine Anfrage erfolge heute nach Antrag und Prüfung durch eine Beratungsstelle beziehungsweise nach einem Hilfeersuchen von einem der Akteure aus dem Netzwerk. Kirchenasyl ist Hilfe im Einzelfall und wirklich „ultima ratio“.

Der Name „Forum Asyl mit St. Christophorus“ kam zustande, weil sich von Anfang an auch Menschen im Forum engagierten, die nicht zur Gemeinde gehörten. „Kirchenasyl ist nur möglich“, sagt Michael Haas, „weil ein Unterstützerkreis vorhanden ist, der die Aufgabe gemeinsam trägt“.  Benötigt werden zudem ehrenamtlich beratende Ärzte, Anwälte sowie professionelle Unterstützer, wie etwa das Büro für medizinische Flüchtlingshilfe oder der Verein Asyl in der Kirche. Denn ein Kirchenasyl kann Monate dauern. Spenden werden benötigt, denn der Betroffene erhalte keine finanziellen Leistungen und keine Krankenversicherung mehr.  Als Idee für den Eingang von Spenden entstand der Kleinkunstabend, erzählt Monika Binek. Der Abend sollte ursprünglich nur ein bis zweimal stattfinden und dann wurde er so beliebt, dass er zur Institution geworden ist.

Etwa 15 Menschen waren bisher hier im Kirchenasyl. Yakob Mekowanent betont die wertvolle Vernetzung mit diversen Gruppen wie dem Beratungs- und Behandlungszentrum Xenion, dessen Mitarbeiter psychosoziale Hilfe für traumatisierte Flüchtlinge und Folteropfer bieten, sowie der Berliner Beratungsstelle von Solwodi für Frauen in Not. Dann bestehen weitere Netzwerke: mit der Caritas, den Maltesern, der Bildungsstätte Jack und Pallotti-Mobil.

Im Forum Asyl sind etwa zehn bis zwölf aktive Mitglieder, das Forum ist konfessionsunabhängig, berichtet Yakob Mekowanent. „Es sind Menschen, die ,Wohl wollen‘ und an das Leben glauben“. Mit ihren unterschiedlichen Berufen machen sie das Engagement lebendig und bringen verschiedene Talente ein. „So wird die Last nicht nur von einer Person getragen“, sagt Yakob.

Von einem der jüngsten Asylfälle, einem Paar aus Somalia, berichtet Forumsmitglied Sabine Wagenfeld. 2014 gab es eine Anfrage von der Caritas in Königs Wusterhausen, das Paar aufzunehmen. Sie hatten lange Irrwege hinter sich, in Somalia, Libyen, die Frau war krank und traumatisiert, in Italien hatten sie gehungert und auf der Straße gelebt. Sie konnten inzwischen ihren Asylantrag stellen, aber es gab noch keine erste Anhörung. Lucia Jay von Seldeneck hat zusammen mit der Regisseurin Nicole Oder aus der Geschichte der beiden das Theaterstück „Ultima Ratio“ entwickelt, das derzeit wieder im Heimathafen Neukölln zu sehen ist. Text: Evelyn Christel & Lissy Eichert

 

 

 

 +++Archiv+++

„Dreikönigspreis“ für „JACK“

Berliner Bildungsstätte für Migrantinnen und Flüchtlinge ausgezeichnet

Wer hat den Preis verliehen?
Die Mitglieder des Diözesanrats der Katholiken, die Vertretung der katholischen Laien im Erzbistum Berlin. Überreicht hat den Preis der Diözesanratsvorsitzende Bernd Streich am Ende des Gottesdienstes zum Neujahrsempfang der Berliner Katholischen Kirche am 13. Januar in der St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin-Mitte.

Der Diözesanratsvorsitzende Bernd Streich überrreicht die Urkunde zum „Dreikönigspreis“ an die Leiterin der Bildungsstätte „JACK“ Daniela Dachrodt. Mit dabei ist Susanne Eikenberg (rechts)vom Jesuiten-Flüchtlingsdienst, einem der Kooperationspartner von „JACK“. Foto: Walter Wetzler.

Wofür steht der „Dreikönigspreis“?
Mit dem Preis werden jährlich, nahe dem Fest der Heiligen Drei Könige, Initiativen ausgezeichnet, die das Zusammenleben von Menschen verschiedener Kulturen, Sprachen und Religionen fördern.

Kuchen essen für einen guten Zweck

Forum Asyl erhält Spende von Werkstätten für Menschen mit Behinderungen

Mitarbeiter der Kaspar Hauser Stiftung und der Delphin Werkstätten überreichten am 12. Juli eine Spende von 403 Euro und 5 Cent für die Arbeit des Vereins Forum Asyl. Das Geld war beim Kuchenverkauf eines gemeinsamen Aktionstages der Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen zusammengekommen. „Es sei klar gewesen, dass die Spende, passend zum Motto des Aktionstages an ein Flüchtlingsprojekt geht“, sagte Birgit Böhm von der Kaspar Hauser Stiftung. Sie habe Forum Asyl vorgeschlagen, „weil dort Menschen Unterstützung bekommen, die von keiner anderen Seite unterstützt werden“.
DelphinHauser_SpendeAsyl_120716_ec

„Wir freuen uns sehr“, sagt Nieves Kuhlmann, die das Geld für den Verein entgegennahm. „Wir finden es toll, wenn sich Projekte vernetzen und an der guten Sache arbeiten.“

Die Besucher erfuhren mehr über die Arbeit von Forum Asyl. Nicht nur bei Asylfällen sondern auch in anderen akuten Notsituationen helfen die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Forums. Zwischenzeitlich lebt ein schwer an Krebs erkrankter Mann, geflüchtet aus Syrien, in der Asylwohnung. Er ist besonders schutzbedürftig, so dass der Aufenthalt in einer Turnhalle für den Erkrankten nicht zumutbar ist. Das Klinikum der Charité hatte sich mit der Bitte um Unterstützung an das Forum gewendet. Housam J. größter Wunsch ist die Zusammenführung seiner Familie, die derzeit von Griechenland aus einen Asylantrag gestellt hat.

 

Eröffnungsgottesdienst der Interkulturellen Woche 2015

„Vielfalt. Das beste gegen Einfalt.“ Hier ein paar Impressionen vom ökumenischen Eröffnungsgottesdienst der Interkulturellen Woche 2015 in der ev. St. Simeonkirche in Berlin-Kreuzberg.

 

Van Binh Tran – Das gute Ende eines wahrlich ÖKUMENISCHEN Kirchenasylfalles

von Peter Becker
Binh_KirchenzeitungNach über 5 Jahren ist es endlich geschafft:
Van Binh Tran erhielt vor wenigen Tagen durch die Berliner Ausländerbehörde eine Aufenthaltserlaubnis bis zum Juni 2017, also für 3 Jahre – und ist damit auch aus- länderrechtlich in Berlin „angekommen“.

Für alle die, die in den vergangenen Jahren mit dem „Fall Binh“ zu tun hatten, hier noch einmal die Zusammenfassung der schicksalhaften Geschichte dieses jungen Mannes.
Binh kam im Februar 1994, im Alter von knapp 3 Jahren, mit seiner Mutter nach Deutschland. Zwar gab es in Berlin Verwandte der Mutter, aber nachdem ein Asylantrag gestellt wurde, erfolgte die sog. „Umverteilung“ nach Sachsen.

 

Internationaler Tag des Flüchtlings

Die Kirchengemeinde St. Christophorus und Asyl in der Kirche Berlin e.V. luden am Freitag, den 20. Juni zu einem Ökumenischen Gottesdienst mit anschließendem Empfang.  Es predigte Kardinal Woelki.
Von l.n.r.: Meko­wa­nent Yakob Michael; Bernhard Fricke, Vorsitzender von Asyl in der Kirche e.V.; Lampedusa Flüchtlinge, derzeit wohnhaft in Räumen der Caritas in der Residenzstr.; Prediger Rainer Maria Kardinal Woelki und Lissy Eichert UAC, Forum Asyl mit St. Christophorus

Foto (c) Uta Kessler