Wann:
13. Oktober 2017 um 19:30 – 22:00
2017-10-13T19:30:00+02:00
2017-10-13T22:00:00+02:00
Wo:
St. Christophorus
Nansenstraße 4
12047 Berlin
Deutschland
Preis:
kostenlos

Héctor Velázquez Gutiérrez

(Mexiko City-Berlin)

Gewand des Heiligen Christophorus

(Objekt)
Vernissage: 13.10.2017, 19.30 Uhr
Ausstellungsdauer: 14.10. – 12.11.2017
Öffnungszeiten: Do 16-19, Fr 19-22, Sa 16-18, So 12-17
Jeden Freitagabend während der Winterzeit sorgen Freiwillige der Katholischen Kirche Nord-Neukölln (St. Christophorus, St. Clara und St. Richard) dafür, dass Obdachlose eine warme Mahlzeit und einen Schlafplatz bekommen. Das Nord-Neuköllner Nachtcafé ist eines der sozialen Projekte, mit denen die Gemeinde in Berlin bekannt ist.
Héctor Velázquez Gutiérrez hat sich in seinem Projekt Gewand des Heiligen Christophorus, sowohl mit dem Heiligen Christophorus, seiner Geschichte und Symbolik, als auch mit dem sozialen Engagement der Gemeinde intensiv beschäftigt und auseinandergesetzt. Für ihn ist dieses Engagement ein Sinnbild des Heiligen, der der Legende nach den Menschen geholfen hat einen Fluss zu überqueren. Eine Hilfe, die diese Gemeinde „vielen Menschen zukommen lässt: wie z.B. Frauen in Notsituationen, Obdachlose und Menschen mit Fluchterfahrung wird geholfen, auf die andere Seite des Flusses zu gelangen.“
Héctor Velázquez Gutiérrez befasst sich in seiner Arbeit mit den Themen Haut, Kleider und kartografischen Darstellungen. Der Künstler verwendet in seiner Arbeit hauptsächlich „weiche Materialien “ wie Textilien, Fäden, Leder, Wolle, etc. Mit diesen Materialien, die genäht, geklebt, verknotet oder verschnürt werden, geht er der Frage der Repräsentation des Körpers nach. Für seine zwei großformatigen Gewänder des Heiligen Christophorus (280 x 230 x 80 cm) benutzte er gebrauchte Kleider, die hauptsächlich aus der Kleiderkammer von St. Clara stammen. Das heißt,
diese Kleider wurden abgegeben, um Obdachlosen und bedürftigen Menschen zu helfen. In einem langen Herstellungsprozess des Nähens, Zusammenfügens und Experimentierens nehmen diese Kleiderstücke eine neue Form an, sie werden Umhang, Mantel, Gewand und verweisen auf die Doppeldeutigkeit des Symbols: auf der einen Seite sind sie das Gewand, was beschützt, auf der anderen Seite deuten sie auf den Transformationsprozess des künstlerischen Aktes schlechthin. Den Aspekt des Leidens -St. Christophorus trägt das Leiden der Welt- versucht Velázquez Gutierrez mit seinen „genähten topografische Karten“ zu zeigen. Der Künstler fragt sich selber“ Was bedeutet es heute die Welt zu tragen?“ und suchte nach topografischen Darstellungen der Orte, wo heute gemordet, gelitten und zerstört wird. Er näht nach Art der Quilt-Technik. Die so entstandenen Höhenlinien bilden topografische Karten und erzeugen damit eine Art organischer Membran, die Leid symbolisiert und Gewand zugleich ist. Die Karten von Acapulco oder Aleppo werden zu etwas Körperhaftem umgewandelt.

Héctor Velázquez Gutiérrez (1965) Mexico City studierte an der Escuela Nacional de Artes Plásticas UNAM México (1986-1988) und Bildhauerei an der Kunstakademie Stuttgart (1988-1994) bei Prof. Giuseppe Spagnuolo. Anschließend studierte er an der UDK Berlin (1994-1996) bei Frau Prof. Cristina Kubisch und Prof. Lothar Baumgarten. Er erhielt verschiedene Preise und Auszeichnungen und sein Werk wurde in Einzel- und Gruppenausstellungen in Mexiko, Deutschland, der Niederlande, Frankreich, USA, Kanada u.a. gezeigt. Seine Arbeit ist in mehreren öffentlichen und privaten Sammlungen, darunter El Banco de México, Museum für zeitgenössische Kunst UNAM, Kunstmuseum Querétaro, Kunstmuseum Alvar y Carmen T. de Carrillo Gil und Fundación José Cuervo (Mexiko).

Mit der Ausstellung „Gewand des Heiligen St. Christophorus“ geht das Projekt Kunst in der Kirche zu Ende.
Diese Entscheidung ist das Ergebnis eines langwierigen und schweren Prozesses. Fünf Jahre lang haben wir ein tolles Projekt auf die Beine gestellt, das über die Grenzen Berlins hinweg bekannt wurde. Fünf intensive Jahre voller Gespräche, voller Austausch und Auseinandersetzungen, die mich sehr bereichert haben.
Mein Konzept hat funktioniert und in den verschiedenen Ausstellungen, die ich im Kirchenraum präsentierte, entstand immer aufs Neue ein Dialog, der Aspekte der Welt und Kunstwelt in St. Christophorus hinein trug und Vorstellungen der Kirche und der Gemeinde wiederum nach außen mitteilte. Bedauerlicherweise kann man ohne beständige finanzielle Basis nicht mit gleicher Intensität und Qualität weiter arbeiten. In diesen unseren Zeiten des gesteigerten Konsums und sich im Materiellen erschöpfenden Erfolges, kann man schwer verstehen und sogar akzeptieren, dass man solch ein Projekt ohne eigene finanzielle Mittel oder gesellschaftliche Interessen vorantreibt.
Ich möchte mich bei allen herzlich bedanken und verabschiede mich in der Hoffnung, dass ein Funke dieses Dialogs im Herzen erhalten bleibt.
Herzlichst
Prof. Celia Caturelli

Vernissage